Immer wieder kommt die Frage nach einem Groundhandling- Gurtzeug. Wer sich dafür interessiert recherchiert oft im Internet und kommt zum Schluss: das Gurtzeug soll leicht sein. Wer schleppt schon gerne seine komplette Ausrüstung mit auf die Wiese? Zumal man ja nur “Groundeln” will – nicht richtig fliegen.

Darum stolpern viele über die sehr einfach konstruierten Schlingengurtzeuge, die nahezu jeder Hersteller im Programm hat. Ohne Sitzbrett und im Materialaufwand so spartanisch, dass man sich fast nackt vor kommt, wenn man sich dieses Nichts umschnallt. Und dann wiegen die Dinger meist unter 1000 Gramm! Faszinierend, mit was alles geflogen werden kann! Das übt einen immensen Reiz aus.

WoodyValley TransAlp
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Advance Streppless
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Dennoch: wir raten von diesen Schlingengurtzeugen zum Groundhandlen ab und empfehlen statt dessen, mit dem eigenen Gerät zu üben, um das System gut kennenzulernen. Ebenso kann man ein zweites Gurtzeug (ohne Rettung, aber auf jeden Fall mit Schaumprotektor) verwenden.

SupAir AccessBack
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Warum diese Empfehlung?

Welche Rahmenbedingungen finden wir beim Groundhandling vor?

  • stärkerer Wind
  • teils böiger Wind
  • Bodennähe
  • mittelmäßiger Trainingsstand nach längeren Pausen
  • manchmal unsichere/ falsche Reaktionen 😉

Jeder hat das schon erlebt: Die Kappe schießt ein bisschen vor, weil eine Böe durchgegangen ist. Huch! Kurz erschrocken, die Bremse zu viel gezogen – der Schirm geht zu weit nach hinten und der so entstehende Auftrieb hebelt einen aus. Man hebt ab und wird dabei auch noch ausgedreht. Die Hände sind überall, nur nicht da wo sie hingehören, alles wird chaotisch, und plötzlich wird man über den Boden gezogen. Wie konnte das nur passieren! 🙂

Was man gar nicht mitbekommen hat, war der Aufprall auf den Boden. Oft erfolgt er in Rückenlage, und der Becken- Lendenwirbelbereicht kommt zuerst auf. 

Gleitschirm_1988
aus Wikipedia, Benutzer: Flyout

In den Anfängen der Gleitschirmfliegerei wurden Gurtzeuge ähnlich den heutigen Schlingengurtzeugen aufgebaut:

  • einfach im Aufbau
  • leicht in der Konstruktion
  • mit einem schmalen Sitzbrett
  • ohne Protektor

Letzteres hat zu vielen schweren Unfällen geführt. In Bodennähe ungünstige Flugsituationen zu erfahren, führte oft zu schweren Verletzungen der Becken- und Lendenwirbelbereiche. Die daraus entstandenen Folgen kann man sich ausmalen.

Und jetzt schließt sich der Kreis:
Was war früher besser als es heute ist? Nichts – Ein geprüfter Protektor schützt uns vor genau diesen Verletzungen in Bodennähe. Die Unfallstatistiken sprechen für sich: seit die Protektorpflicht im Jahr 2000 eingeführt wurde, sind diese Verletzungen zurückgegangen. 

Darum empfehlen wir: Groundhandling nur mit einem geprüften Protektor-Gurtzeug.

Hier muss aber nochmals unterschieden werden: Staudruck- und Schaumprotektoren.

Bei Staudruckprotektoren (besonders der älteren Bauart) ist zu wissen, dass sie ihre volle Schutzwirkung erst im Flug haben. Das ist beim Groundhandling kontraproduktiv, da die Anströhmung von vorn nicht gegeben ist. Bei einigen Konstruktionen „verschließt“ der stehende Pilot die Staudrucköffnung sogar. Man muss also davon ausgehen, dass diese Systeme für diese Anforderung weniger tauglich sind.

Moderne Staudruckprotektoren haben dieses Problem konstruktiv gelöst, indem die Vorfüllung durch eine Feder oder Stäbchen (ähnlich denen am Schirm) sichergestellt wird.

Ein weiterer Gedanke ist das unterschiedliche Steuerverhalten (Gewichtsverlagerung) von Sitzbrett- und Schlingengurtzeugen. Warum trainieren mit einem Gerät, das mit dem eigentlich beim Fliegen benutzen wenig zu tun hat?

Was ist dann sinnvoll?

Zum Groundhandling benutzt man sein Gurtzeug, das man auch zum Fliegen benutzt. Dann lernt man das System auch richtig kennen. Hat man Bedenken, dass man es zu sehr abnutzt oder verdreckt, kann man sich ein einfach aufgebautes zweites Gurtzeug zulegen. Ohne eingebautem Rettungsgerät und extra zum „Einsauen“. Wichtig: der Protektor muss bis unter das Sitzbrett gehen. Es sollte einen Schaumprotektor haben, um die nötige Schutzwirkung bieten zu können.

Muss es ein Neues sein?

Nein. Natürlich nicht. Hier kann man bei seiner Flugschule nachfragen oder im Internet nach einem gebrauchten suchen. Die Preise sollten im moderaten Bereich liegen. Wenn Ihr Fragen rund um dieses Thema habt: meldet euch einfach!

Viel Spaß beim sicheren Üben!

P.S. Benutzt Helm und Handschuhe beim Groundhandling!