Gruppe ist auf dem Weg nach Bassano und will heute dort ihr Glück versuchen. Hier ist heute der Wind am Gardasee zu stark. Ich bin hier geblieben, um endlich meinen Bericht zu schreiben. So ein Performancetraining ist nicht nur aufregend, sondern auch anstrengend. Abends fällt man nach einem Abendessen in einem der vielen Restaurants in Malcesine erschöpft ins Bett.

Die Tage vergehen wie im Fluge. Morgens Theorieunterricht, dann auf den Berg fahren, Startvorbereitung, Rausfliegen, die Übungen machen, Packen und ab zur nächsten Gondel. Zwei, maximal drei Runden am Tag sind möglich.

Schon der Start – eine Herausforderung

Schon der Start ist für uns Flachlandflieger immer wieder eine Herausforderung. Wird er klappen? Entscheide ich mich bei den jeweiligen Bedingungen fürs Vorwärts- oder Rückwärtsaufziehen? Zum Glück ist Markus am Start. Er gibt mit seiner Ruhe und seiner Gründlichkeit beim Startcheck jedem das Gefühl der Sicherheit. Und wenn es sein muss, greift er hier und da ein, wenn eine kleine Hilfe nötig ist.

Dann geht es raus in Richtung Gardasee. Die ersten beiden Tage mussten wir aufgrund des relativ starken Nordwindes den hinteren Startplatz mit Nordausrichtung nutzen. Hier hieß es rechtzeitig genügend Abstand vom Hang zu halten, um nicht ins Lee des vorgelagerten Berges zu fliegen.

Raus auf dem See – in die Position

Allein dieser Teil des Fluges ist schon beeindruckend. Unter dir tut sich der Gardasee in seiner ganzen Größe auf. Das Felsmassiv auf der gegenüberliegenden Seite strahlt bei klarer Luft in tollen Farben. Gegen Mittag sieht man die Ora, den typische Südwind, sich über den Gardasee schieben.  Oftmals liegt auf halber Höhe über dem Tal eine Inversion und  lässt Malcesine und den Gardasee wie in einem Schleier erscheinen.

Aus 1.400 m Höhe ist nun der Landeplatz zu finden und gegen den relativ starken Wind beschleunigt  in Richtung Position zu fliegen. Die Position ist die Stelle über dem See, wo die Übungen geflogen werden. Hierbei sind Abdrift, Windgeschwindigkeit und Windrichtung zu beachten. Gut, dass Christoph am Landeplatz schon früh eingreift und die Piloten bis zur richtigen Stelle dirigiert.

Einer unserer Piloten hatte sich am ersten Tag bei dem starken Wind verbastelt und den Landplatz nicht erreicht. Bis auf ein unfreiwilliges Bad ist nichts passiert. Am nächsten Tag waren die Sachen getrocknet und es konnte weitergehen.

Auf dem Teil des Fluges, der ca. 15 bis 20 Minuten dauert, kann man seinen Vorflieger bei dessen Flugfiguren beobachten. Auch wenn ich schon einige Sicherheitstrainings hinter mir habe, ist auch dieser Teil immer wieder beeindruckend und aufregend.

Das Training – ein Feuerwerk der Flugfiguren

Wenn dann das Kommando kommt: „Dagmar, fliege eine Rechts- oder Linkskurve, ich sage dir Bescheid, wenn die Kamera dich erfasst hat“ freue ich mich auf das, was dann kommen wird.

Am ersten Tag haben wir alle erst ein bisschen geschwächelt, die Klapper waren noch klein und das Rollen und Nicken nur halb so hoch. Wenn die Landung dann geschafft war, wurde erst einmal aufgeatmet. Der Landeplatz ist doch größer, als er von oben aussieht und Christoph „quatscht“ uns sicher rein.

Aber schon am zweiten und dritten Tag verschob jeder unserer Piloten seine persönlichen Grenzen ganz deutlich. Aus den kleinen Klappern wurden beschleunigte, gehaltenen Klapper, das Rollen geht in Richtung Wingover und der eine oder andere Pilot tastete sich an seine erste Steilspirale heran.

Gestern, am dritten Tag waren die Bedingungen ideal. Wir sind nach Süden rausgestartet und konnten zwei tolle Durchgänge machen.  Die riesige Arbeitshöhe über dem Gardasee lässt ein Feuerwerk von Flugfiguren zu: gehaltener Klapper links, gehaltener Klapper recht, Frontklapper, B-Stall, Wingover, Steilspirale einmal, zweimal, Nicken und zu guter Letzt ein Fullstall.

Umschalten in den Landemodus

Und dann kommt von Christoph mit ruhiger Stimme die Ansage: „So jetzt schalte um auf Landemodus, der Wind kommt am Landeplatz mit 10 km/h aus Süd. Du hast noch viel Höhe, peile richtig und mache eine schöne, gestandene Landung.“

Jetzt geht der Atem schon ein bisschen ruhiger. Du schaust zum Landplatz, siehst den Peilpunkt, die anderen gelandeten Piloten, orientierst dich noch, wer noch alles im Landeanflug ist, erkennst das Boot und machst ein oder zwei oder auch drei Postionskreise, Gegenanflug, Queranflug, Endanflug, geschafft!!  Bei dem einen oder anderen zittern noch ein bisschen die Knie, aber es ist einfach ein großartiges Gefühl.

Und morgen stimmt hoffentlich das Wetter wieder und es geht weiter…

Viele Grüße

Dagmar