Ein Fliegertag in Roldanillo, Valle de Cauca, Colombia

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Wir wohnen in einer Finca, mit deren Besitzern Christoph anlässlich einer Aussenlandung bekannt geworden ist. Eine wohlhabende Familie aus Cali, Fernandez ist Ingenieur in einer Wartungsfirma am Flughafen in Cali, die Finca ist ihr Wochenendhaus, das sie gelegentlich auch vermieten

Nach einem ersten Cafe kommt uns unser Fahrer abholen. Carlos ist DER Friseur in Roldanillo, der sich mit seinem 4×4 Auto ein kleines Nebengeschäft aufgebaut hat. Wir fahren in die Stadt zum „parque“, eine Art Dorfplatz, dem Mittelpunkt des öffentlichen Lebens in Roldanillo. Unser erster Weg führt uns in den Palacio de los Jugos (frisch gepresster Fruchsaftpalast) zum Frühstück.

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Es gibt eine Tasse feinsten Columbianischens Cafes, einen Obstsalat aus tropischen Früchten, einen Fruchtsaft – vielleicht Orange, Mandarine, Guanabana, Lulo oder Maracuja, dazu ein paar Spiegeleier und frisch gebackene Brötchen.
So gestärkt fahren wir gegen 1/2 9 zum Startplatz.

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Wir wählen El Pico, da auf einem weiteren Startplatz ein internationaler Wettbewerb mit 150 teilnehmenden Piloten startet und daher dort viel Gewusel zu erwarten ist. Dort angekommen haben wir noch etwas Zeit bis sich die Wolkenbasis auf 2000m hebt, sodass wir gut abfliegen können und mit einer brauchbaren Arbeitshöhezu unserem täglichen Streckenflug starten können. Der Startplatz ist eine Bergkuppe, die oben flach ist und an den Rändern steil abfällt, so dass eine gute Starttechnik hilfreich ist.

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Von dort aus geht es in den Hausbart um mit maximaler Abflughöhe die erste Talquerung zu versuchen. Gleitschirmfliegen ist sehr populär, sodass häufig die Termik der gegenüberliegenden Talseite bereits durch andere Piloten markiert wird.

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Die Thermik ist zuverlässig, aber manchmal kleinräumig und für mitteleuropäische Flieger nicht immer leicht zu lokalisieren, da die Sonne den meisten Teil des Tages senkrecht vom Himmel scheint und die goldene Regel „sonnenbeschienene Bergflanken gehen besser“ hier auf die lokalen Verhältnisse angepasst werden muss.  So arbeiten wir uns langsam nordwärts zum Startplatz der Wettkampfflieger. Auch die waren in der Zwischenzeit nicht untätig und kommen uns bereits vom ersten Wendepunkt entgegen. Ein beeinduckendes Bild wie 170 Hochleister wie ein Baracudaschwarm an mir vorbei fliegen.

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Auch abseits der Wettkämpfe fliegen wir mit Piloten, die ein beeindruckendes Niveau an Flugtechnik, an den Tag legen: das Valle de Cauca ist im Winter der Treffpunkt der besten Streckenflieger der Welt, so dass wir Bekanntschaft mit vielen Piloten aus Finnland, England, Polen Russland, Italien, Schweiz, Türkei, USA, Argentinien, Bolivien, Chile, Honduras, Kanada machen – die Liste lässt sich fast beliebig verlängern. Szenegrößen wie z.B. Jocky Sanderson (Video „Performance Flying), Clement Latour (2. Platz X-Alps 2013) treffen wir beim Start oder beim Landebier. Aber abgesehen von der Begegnung mit dem Wettkampffeld ist das Fluggebiet so weitläufig, dass wir uns weitestgehend ungestört von anderen Piloten in unsere Thermik verbeissen können. Mit dem fortschreitenden Tag steigen die Aufwindgeschwindigkeiten üblicherweise auf 3-4m/s an sehr trockenen manchmal bis auf 6-8m/s an.

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Gegen Mittag beginnen wir nach den ersten Kumuluswolken im Flachland zu schauen. Nachmittags macht sich der Einfluss des Pazifiks mit einer großräumigen westlichen Seebise bemerkbar, die den Wechsel von unserer Bergkette ins Flachland des Valle de Cauca möglich macht.
Unter einer kleinen Wolkenstrasse führt uns unser Flugweg über La Victoria und zur Hügelkette der gegenüberliegenden Talseite.

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Wir werden mit spektakulären Aussichten und einer Wolkenstrasse Richtung Norden belohnt. Ca. 20km nördlich von La Viktoria beschliesse ich den Rückflug Richtung Roldanillo anzutreten. La Victoria kommt in Sicht und ich drehe über der warmen Stadt noch einmal auf 2000m Meter auf. Ein abgeerntetes Maisfeld versorgt mich nur 50m über Grund mit der dringend notwändigen Thermik. Die Geier, die bereits in der Thermik kreisen, helfen mir beim zentrieren, so dass ich bereits eine 1/4 Stunde später bereits die Wolkenbasis erreichen kann.

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Als vielversprechende nächste Thermikquelle visiere ich ein abgeerntetes Zuckerohrfeld an, dass von den Bauern in Brand gesteckt wurde: Feuerthermik, über der ein großer Kumulus steht. Wer sich nicht an dem Feuergeruch stört, kann diese „künstliche“ Thermik ab einer Höhe von knapp 500 Metern gut nutzen. Aber Vorsicht: bei den Wettkämpfern des letzten Jahres sind die Piloten sehr tief in diese Aufwinde eingeflogen. Die sind dann im unteren Teil so heftig, dass einem Piloten am Ende nur der Notschirm blieb. Von diesem Tag an wurden die Piloten diqualifiziert, die sich auf diese weise in Gefahr gebracht haben. Angeblich musste auch ein Pilot (Felix R.) mit russverschmierten Gesicht, der beteuerte, nicht in Feuerthermik geflogen zu sein, seinen Flug aus der Wertung des Wettbewerbs nehmen lassen. Da ich mir solche Gefahren ersparen möchte und nicht mehr genug Höhe habe, suche ich ein Landefeld und lande in der Nähe eines kleinen Bauernhofs auf einem abgernteten Maisfeld.

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Meine erste Begnung ist ein freundlicher Mann mit Gewehr. Er zeigt mir stolz die Tauben, die er für das abendiche Essen geschossen hat. Ich packe unter den neugierigen Augen einiger Kinder ein, die sich dann für die mitgebrachten Bonbons artig bedanken. Zur nächsten großen Strasse sind es ca. 5km. Die Sonne steht immer noch nahezu senkrecht, aber durch die Talhöhe von 1000m bleibt die Temperatur mit ca. 28° erträglich. Nach einem Kilometer Fußmarsch werde ich von einem Moped eingeholt. „Buenos Tardes Chico, como estas?“ „ Va bien……..
Ich erkläre dem neugierigen Jugendlichen, wo ich gestartet und geflogen bin. Er bietet mir und meinem Gleitschirm auf meinem Rücken den Rücksitz seines Mopeds an und wir fahren über die staubigen Wege zur Strasse. Wir verabschieden uns und ich warte auf einen Bus, der mich in die nächste Stadt nach La Victoria fahren kann. Das Valle de Cauca ist überwiegend landwirtschaftlich genutzt und es gibt eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur mit großen und kleinen Bussen. Die Fahrer sind meist in Genossenschaften organisiert.

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So ist der öffentliche Verkehr gut organisiert, es gibt natürlich feste Fahrpreise und auf den großen Strassen muss man nicht lange auf seine Reisegelegenheit warten. In den Städchen, fahren die Busse von festen Haltestellen in der Ortsmitte, darüber hinaus hält der Bus da, wo jemand ein- oder aussteigen möchte. Die Fahrergenossenschaft aus Roldanillo ist „de Occidente“ („…aus Westen“). Die Fahrer verzieren ihre Busse mit einer Auswahl aus Bildmotiven. Motive mit Gleitschirmen und Drachen gehören zu den Beliebtesten. Keine10 Minuten später sitze ich im Bus.

In La Victoria zeigt mir der Fahrer gleich den Weg zum Bus nach Roldanillo. Jetzt habe ich erstmal Lust auf ein Landebier. In der kleinen Tenda an der Strasse gibt es das hervoragende eisgekühlte columbianische Bier. Bereits einige Minuten später bin ich schon im intensiven Gespräch mit der Inhaberin und den anderen Kunden und Gästen.Vom „parque“ (dem Marktplatz) von la Victoria fahre ich mit einem Mal umsteigen über Zarzal nach Roldanillo. Der Fahrer hat bereits mit seinem Kollegen in Zarzal telefoniert, der Bus wartet auf mich bereits abfahrbereit. Hier endet mein kleiner Ausflug, da wo er begonnen hat: Im „Palacio de los Jugos“. So ein Ausflug macht durstig und ich bestelle mir einen Liter frisch gepressten Orangensaft und eine Empanada, eine gefüllte, fritierte Teigtasche für den ersten Hunger.

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Gegen abend gehen wir zum Essen in Che Cafe. das kleine Restaurant wird im gedenken an Che Guevara von Arturo und Dora betrieben. Arturo ist Argentinier und hat sich wegen Dora in roldanillo niedergelassen. So wundert es nicht, dass wir ein hervorragendes Asado (gegrilltes Rindfleisch) auf den Teller bekommen. Auch die „Trucha“, eine Forelle ist phantastisch, so dass die Auswahl sehr schwer fällt. Und ist der Tag nun vorbei? Zeit, sich noch eine Stunde dem wochenendlichen Nachtleben von Roldanillo zu widmen. Wir habe heute Glück. Am Abend findet die Preisverleihung des Wettbewerbs statt. Dazu wird ein kleines Kulturprogramm mit Live Musik und Tanzgruppen veranstaltet.

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Gegen 23:00 schwinden mir langsam die Kräfte und ich nehme mir ein Taxi zur Finca. Morgen früh gehts wieder um 6:00 weiter, wir werden wahrscheinlich erstmal im Palacio de los Jugos frühstücken gehen.

Die Bilder habe ich von verschiedenen Flügen und Tagen zusammengestellt, so dass ihr hoffentlich einen Eindruck vom „paraiso de parapente“ im Valle de Cauca bekommen habt.